Mit der Abkehr Apples vom PPC dürfen sich nun auch andere Interessenten an dem leistungsfähigen 64 Bit Dualcore Prozessor mit Hardware-Virtualisierungsfunktionen und umfassenden Stromsparmodi versuchen.
Die dazugehörige CPC945 PCIe Northbridge wurde ebenfalls in diesen Tagen offengelegt.
Die wichtigsten Fakten hatte PPCNUX bereits im großen 970MP Report zusammengetragen.
Einige Unklarheiten bestanden noch bei der Beurteilung der damals veröffentlichten Stromaufnahme-Zahlen, die von Mac Usern teilweise übertroffen wurden und nun von IBM durch die technische Dokumentation aufgeklärt werden.
Nachdem schon einige "power optimized" 970FX Prozessorversionen in niedrigeren Taktfrequenzen so wenig Strom verbrauchten, dass eine passiv gekühlte Blade für den Embedded Markt realisiert werden konnte, führen die Fortschritte in der Fertigungstechnik mit low-K dielectrics und der zweite Generation von strained silicon mit Dual Stress Liner beim 970MP dazu, dass auch die Standard Prozessoren trotz verdoppelten L2 Caches eine Reduktion bei der Stromaufnahme erfahren und gleichzeitig höhere Taktfrequenzen ermöglicht werden.
Bei x86 schon länger Usus, werden die 970MP nun mit unterschiedlichen Voltspezifikationen innerhalb einer Geschwindigkeitsgruppe ausgeliefert. Bis 1,8 GHz sind individuelle CPUs mit 0,95 (!) bis 1,1 V spezifiziert, 2 GHz hat den 1,0 bis 1,15 Volt Bereich und 2,5 GHz Versionen weisen eine Versorgungsspannung von 1,2 bis 1,35 V auf.
| Stromaufnahme von Standard G5 CPUs in Watt | |||||||
| Takt | 1,2 GHz | 1,4 GHz | 1,6 GHz | 1,8 GHz | 2,0 GHz | 2,2 GHz | 2,5 GHz |
| 970MP | 26/32* | 32/40 | 36/45 | 44/55 | 56/70 | - | 100/125 |
| 970FX | - | - | 23/29 | 30/38 | 48/60 | 61/76 | - |
* Typisch bei 65°C / Maximal bei 105°C
| Stromaufnahme von "power optimized" G5 CPUs in Watt | |||||||
| Takt | 1,2 GHz | 1,4 GHz | 1,6 GHz | 1,8 GHz | 2,0 GHz | 2,2 GHz | 2,5 GHz |
| 970MP | 23/28 | 28/35 | 32/40 | 40/50 | 48/60 | - | 92/115** |
| 970FX | 13/16 | 15/19 | 17/21 | - | 40/50 | 48/60 | - |
** Wird nur Integercode benutzt, reduzieren sich alle Maximalwerte um etwa 13% - in diesem Fall auf 100 W.
Geht man mit dem 970MP nur eine Geschwindigkeitsstufe von 2,2 auf 2,0 GHz zurück oder wählt hier die Stromsparvariante, erhält man die gleichen oder bessere thermale Eigenschaften als 970FX, somit unter diesen Gesichtspunkten den zweiten Kern gleich "gratis" dazu!
Im Einstiegssegment sparen Embeddedboard-Hersteller durch die höhere Integration des mit 25 mm x 25 mm winzig gebliebenen 970MP kostbaren Platinenplatz.
Im Hochleistungssegment findet zum einen eine Taktsteigerung von 2,2 auf 2,5 GHz statt, zum anderen wird die Prozessorkernanzahl in einem System glatt verdoppelt. Zusammen mit der höheren Effizienz des 970MP steigt die Systemleistung laut SPEC CPU2000 auf das Dreifache.
Damit erhöhen sich natürlich auch die Kühlanforderungen, doch der x86 Markt bietet hier eine Lösung - die integrierte Wasserkühlung, die in ähnlicher Form bereits sehr günstig auf dem Markt erhältlich ist.
Nicht nur hochgetaktet G5 verlangen nach standesgemäßer Kühlung, auch die neuen MacPro haben ernsthafte Kühler, die in ihrer Form und den Ausmaßen an die World Trade Center Twin Towers erinnern.
Mit Spitzenstromstärken bis 90 Ampere (Thermal Design Current: 70 A) für einen Voltbereich individueller Woodcrest Xeon CPUs von 1,0 bis 1,5 zusammen mit den FB-DIMMS, bei denen jedes einzelne ungeachtet der Kapazität aufgrund der Pufferchips 4 - 6 W Mehrverbrauch aufweist und dem komplexen Systemcontroller mit 32,4 W TDP, ist die "platform power" bei weitem nicht so überlegen, wie es die Intel und Apple Marketingabteilungen weismachen wollen - das MacPro Netzteil mit 6 A Netzstromaufnahme bei 200 - 240 V spricht Bände...
Tatsächlich konnte IBM die Stromaufnahme des CPC945 Systemcontrollers von 29 W des CPC925 Vorgängers auf 24 W senken, wobei alle Interfaces mit maximaler Auslastung arbeiten - integrierte Stromsparfunktionen für Anwendungen mit einem, zwei oder vier Prozessorkernen reduzieren den Gesamtenergiebedarf bis auf 12 W.
Die Highspeed I/O Fähigkeiten des 37,5 mm x 37,5 mm großen CPC945 mit 1182 Pins und etwa 80 Mio. Transistoren umfassen:
Dies sind die offiziellen Spezifikationen, das Benutzerhandbuch enthüllt jedoch genaue Registerkonfigurationen, die es auch ermöglichen würden, den Prozessorbus mit einer maximalen Datenrate von 1332 Gigatransfers/s zu betreiben (IBM liefert die JS21 Blades bis 2,7 GHz). Der RAM Takt ist gleichzeitig der interne Chiptakt. Auch hier sind noch beschleunigte Settings möglich: 600, 667 und 733 MHz. IBM gibt an, dass schnellere Chips in "Premium OEM sort" als Muster verfügbar seien, jedoch möchte Genesi ganz offensichtlich Apple übertreffen und ihre eigene Dual-970MP Maschine auf 667 MHz auslegen.
Der Ramcontroller des CPC945 unterstützt bis zu 8 dual-ranked DIMMs und 2 GBit Chips, so dass bei Verfügbarwerden von 8 GB DIMMs ein dem Einsatzbereich als Server angemessener Hauptspeicherausbau bis 64 GB möglich wird (abzüglich 2 GB I/O Adressraum).
Um acht DIMMs nutzen zu können, wird ein vom Mac bekannter Data Muxer eingesetzt, auch für die Ansteuerung von 8 Ranks (Speicherbänke aus mehreren Chips zu jeweils insgesamt 64 Bit) ohne Geschwindigkeitsreduzierung wird eine Pufferung benötigt.
Ansonsten ist der Speichercontroller des CPC945 sehr flexibel, er erlaubt neben dem regulären 128 bzw. 144 Bit (ECC) RAM Interface auch eine 64 Bit Speicherorganisation und den Einsatz von entweder ungepufferten oder registered DDR2 DIMMs. Module, deren Chips 8 oder 16 Bit breit sind, können gemischt werden. Bei DIMMs mit 4 Bit breiten Chips ist dies nicht möglich, jedoch gibt es hier eine besondere Spezialität: Chipkill.
Mit aktiviertem ECC korrigiert der CPC945 4-Bit Fehler und erkennt 8-Bit Fehler, ferner unterstützt er memory scrubbing.
Ein Burst transferiert immer 64 Byte auf einmal (dauert also bei einem 64 Bit Raminterface 8 statt 4 Zyklen).
Für diese CPU-/Northbridgekombination scheint es bereits ein Referenzimplementierung zu geben, die sich in ihren Eigenschaften eng an das letzte "Maple-D" Extended-ATX 970FX/CPC925 Evaluationsboard von Momentum Computers anlehnt, nun jedoch Sockel für CPU Karten aufweist - die 576-Pin 970FX und 575-Pin 970MP haben jeweils eine andere Signalbelegung.
Die als microBTX Board sehr kompakt ausgelegte "Open Server Workstation" von Genesi, die dieses Jahr noch in Stückzahlen verkauft werden soll, wendet sich eher an Endverbraucher, die im PPC Markt bisher vergeblich nach einem günstigen und doch leistungsfähigen 64-Bit Serverangebot Ausschau gehalten haben. Die bisher bekannten Spezifikationen (Diagramm) weisen neben Highspeed-PCIe Schnittstellen auch reguläres PCI auf - anders als Apple verprellt man also nicht den Kundenkreis, die ihre Legacy Karten weiter einsetzen möchten oder auch müssen, da es sie einfach nicht als PCIe Ausführung gibt.
Genesi versucht bei der noch nicht abgeschlossenen Wahl der CPU Geschwindigkeit für ihre Kunden den optimalen Kompromiss aus Preis und tatsächlicher Leistungsfähigkeit herauszufinden.
Hier wäre die 2 GHz Ausführung sicher ein interessanter Kandidat, die auch viel weniger Strom verbraucht als das Spitzenmodell. Wenn die Aufgaben sehr gut parallelisierbar sind, käme auch die 1,6 GHz Version in Frage, die mit ihrem Energieverbrauch bereits in typische Notebookdimensionen vordringt. Zu langsam darf der Takt jedoch auch nicht sein, damit die Single-Threaded Performance nicht einbricht! Der Bustakt skaliert parallel zum CPU Takt und das G5 Design ist anders als z.B. Suns T1 mit langer Pipeline auf hohe Frequenzen optimiert.
Comments
Re: IBM veröffentlicht PPC 970MP und CPC945 Dokumentation
Es ist ja keineswegs so, dass der PowerPC 970 im Moment vom Markt verschwunden ist. Es gibt noch eine IBM IntelliStation POWER 185 Express mit immerhin einem einzigen PowerPC 970 mit 2,5 GHz. Im komplettpaket mit Graphik und Bildschirm für 7.419,05 Euro. Ja, ein DVD-ROM (ROM nicht DL-Brenner) und eine 70er SCSI Festplatte sind selbstverständlich dabei, ebenso wie 2 mal 512MB RAM.
Siehe auch http://www-134.ibm.com/webapp/wcs/stores/servlet/HelpDisplay?storeId=276...
Als Server, also ohne die High-End Graphik, gibt es die Hardware als Server Modell bereits ab knappen 3.000 US-$
http://www-03.ibm.com/systems/p/hardware/entry/185/browse.html
Ich habe deshalb so meine Zweifel, das IBM Partner Genesi eine "Workstation" mit 2*970MP für 1.500 Euro herausbringen darf / kann. Bezieht sich der Preis auf das Board ohne CPUs? Wieso sollte sich IBM einen derart lukrativen Markt durch einen Partner kaputt machen lassen?
Re: IBM veröffentlicht PPC 970MP und CPC945 Dokumentation
"Wieso sollte sich IBM einen derart lukrativen Markt durch einen Partner kaputt machen lassen?"
was meinst du damit? meinste sie koennen bilanztechnisch nicht auf die beiden pro jahr verkauften IntelliStation verzichten ? ;-)
mal ernsthaft: wer kauft sowas ueberteuertes? es muss doch eine zielgruppe geben (ausser fanatics wie benutzerplutzer *scnr*)!?
Re: IBM veröffentlicht PPC 970MP und CPC945 Dokumentation
Hmmmm.....
Zum Beispiel Leute, die dank der im 970 realisierten Virtualisierung Linux und AIX (und evtl. OS/400) auf jeweils einer LPAR laufen lassen wollen ?
Und die Preise bei IBM darf man nicht so wörtlich nehmen. Die sind da sehr flexibel wenn's um entspr. Angebote bzw. Kunden geht.
Re: IBM veröffentlicht PPC 970MP und CPC945 Dokumentation
ich haette gerne eine etwas mehr low level antwort:
was machen leute, die sone teure workstation (meinetwegen mit aix und linux) am laufen haben, mit diesem teil. welche aufgabenfelder werden damit beackert, die man nicht auch an einer anderen linuxbuexe machen koennte?
ich frage interessehalber, weil ichs wirklich nicht weiss !
Missverständnis
"sone teure workstation"
Wie bereits geschrieben, die Preise von IBM darf man nicht so wörtlich nehmen.
Da gibt's bein 'nem MIPS-Upgrade vom Mainframe schon mal so 'ne WS gratis dazu, und das nimmt man doch gerne mit :-)
Re: IBM veröffentlicht PPC 970MP und CPC945 Dokumentation
z.B. SW-Entwicklung.
Am Ende wenn du SW für AIX - anbietest, wirst du ab einem bestimmten Zeitpunkt den Schritt machen auf die avisierte Plattform. Es geht eine ganz Zeit auch mit anderer Hardware. Aber wenn es zum "Schwur" kommt, dann brauchst du wenigstenz eine entspr. Box.
Und da muss es nicht gleich der große Server sein.
Ein paar Nummer kleiner aber mit AIX (oder LinuxOnPower) darf es dann schon sein.
Trotz aller Grosscompilerg'schichten : auch im embedded Bereich gibt es Momente, wo du die Zielplattform brauchst. Auch dafür lassen sich entspr. Workstations ganz gut einsetzen, weil es z.B. von IBM für AIX entspr. Kits gibt.
Auch EDV/IT Abteilungen setzen ganz gern die eine oder andere Workstation ein.
Z.B. Zur Ausbildung, zum Testen und, ja, zum rumbröckeln, d.h. einfach zum ausprobieren.
Mann hat ja nicht nur Windosen rumstehen und auf denen lassen sich z.B. nur suboptimal entspr. Scripte z.B. für Oracle unter einer AIX anpassen oder zurechbrökeln. Und besser auf eine Workstation als Entwicklungsumgebung als in der Produktion oder einer Testumgebung.
Natürlich kann man sagen : warum nimmst du AIX, oder Solaris oder HP-UX usw.
Die Frage kann man stellen. Soviel dazu.
Gruss Frank
970@3GHz?
wurde nicht kolportiert, dass es seit mai einen 3GHz G5 gibt?